Mehr Zeit, mehr Freiheit, endlich das tun, wozu bisher die Gelegenheit fehlte. Der Ruhestand klingt für viele nach einem lang ersehnten Neuanfang. Doch was passiert, wenn der letzte Arbeitstag vorbei ist und der gewohnte Alltag plötzlich wegfällt? Genau darum ging es bei der Abschlusskonferenz des europäischen Erasmus+-Projekts E-PAC am 23. September 2026 bei GERO in Bonnevoie.
Wenn plötzlich jeder Tag ein Sonntag ist
Ausschlafen, verreisen, Freunde treffen, sich endlich wieder einem alten Hobby widmen. Die Vorstellungen vom Ruhestand sind vielfältig. Und doch merken manche Menschen nach den ersten Wochen oder Monaten: So viel freie Zeit will auch gestaltet werden.
Denn mit dem Eintritt in den Ruhestand verschwinden nicht nur berufliche Verpflichtungen. Auch vertraute Routinen, soziale Kontakte und manchmal ein Stück der eigenen Identität verändern sich. Was zunächst nach grenzenloser Freiheit klingt, kann deshalb auch Fragen aufwerfen: Was gibt meinem Alltag künftig Struktur? Wo werde ich gebraucht? Und was möchte ich eigentlich mit dieser neuen Lebensphase anfangen?
Mit genau diesen Fragen beschäftigte sich das europäische Projekt E-PAC, dessen Ergebnisse bei GERO vorgestellt wurden. E-PAC steht für „Passages As Chance“. Im Rahmen des Projekts arbeiteten europäische Partnerorganisationen zusammen, um Konzepte zu entwickeln, die Menschen beim Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand unterstützen.
Drei Referent*innen zeigten, weshalb sich eine gute Vorbereitung auf den Ruhestand lohnt und warum es dabei um weit mehr geht als um Geld und administrative Formalitäten.
Es gibt keine Gebrauchsanweisung für den Ruhestand
Frank Finkeldei von der Volkshochschule Iserlohn, die das Erasmus+-Projekt koordinierte, stellte die Erfahrungen aus der zweijährigen Zusammenarbeit mit europäischen Partnerorganisationen vor.
Eine wesentliche Erkenntnis: Jeder Mensch erlebt den Übergang in den Ruhestand anders. Während die einen voller Tatendrang neue Projekte beginnen, brauchen andere zunächst Zeit, um ihren Rhythmus zu finden. Gesundheit, Familie, Freundschaften, finanzielle Möglichkeiten und persönliche Interessen spielen dabei zusammen.
E-PAC setzte deshalb auf Bildungsangebote, die Menschen zum Nachdenken und zum Austausch anregen. Gemeinsam mit anderen können sie ihre Wünsche hinterfragen, neue Perspektiven entdecken und Ideen für ihren Alltag entwickeln.
Eine besondere Rolle spielen dabei die ehrenamtlichen Pensionscoaches. Sie haben den Übergang selbst erlebt, geben ihre Erfahrungen weiter und begleiten andere auf Augenhöhe. Nicht mit fertigen Rezepten, sondern mit den richtigen Fragen.
Man muss nicht ständig beschäftigt sein
Einen anderen Blickwinkel brachte Mona Pielorz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn, in die Diskussion. Sie beschäftigte sich mit der Frage, welche Erfahrungen und Kompetenzen Menschen aus ihrem bisherigen Leben in den Ruhestand mitnehmen.
Denn auch wenn das Berufsleben endet, verschwindet keineswegs das, was wir über Jahrzehnte gelernt haben. Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen bleiben erhalten und können neue Bedeutung bekommen. Wer möchte, kann sich ehrenamtlich engagieren, etwas Neues lernen oder bisher ungenutzte Talente entdecken.
Doch Frau Pielorz machte auch deutlich, dass ein gelungener Ruhestand nicht zwangsläufig ein besonders aktiver Ruhestand sein muss.
Nicht jeder muss im Ruhestand einen vollen Terminkalender haben. Manche Menschen möchten sich engagieren, andere reisen oder Neues ausprobieren. Wieder andere genießen es, endlich weniger Verpflichtungen zu haben. Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu unternehmen, sondern herauszufinden, was einem selbst guttut.
Dabei sind die Ausgangsbedingungen keineswegs für alle gleich. Gesundheit, finanzielle Sicherheit und soziale Beziehungen beeinflussen, welche Möglichkeiten Menschen tatsächlich haben.
Der Ruhestand ist also nicht für jeden automatisch eine Zeit unbegrenzter Freiheit. Umso wichtiger ist es, unterschiedliche Lebenswege und Bedürfnisse anzuerkennen.
Und wer denkt an die praktischen Dinge?
Dass neben persönlichen Wünschen auch ganz konkrete Fragen zur Rente gehören, zeigte Christian Mancini, Chef de Division Pensions bei der CFL.
Das luxemburgische Eisenbahnunternehmen begleitet seine Mitarbeitenden auch bei der Vorbereitung auf das Berufsende. Dabei geht es unter anderem um Rentenansprüche, administrative Schritte und besondere Lebenssituationen.
Was passiert beispielsweise mit der Krankenversicherung bei einem Umzug ins Ausland? Welche steuerlichen Fragen können auftauchen? Was muss beachtet werden, wenn man im Ruhestand weiterarbeiten möchte?
Kleine administrative Versäumnisse können manchmal große Schwierigkeiten verursachen. Deshalb ist es sinnvoll, sich frühzeitig zu informieren und offene Fragen zu klären.
Das Beispiel der CFL zeigt zugleich, dass auch Arbeitgeber einen wichtigen Beitrag leisten können. Der Übergang in den Ruhestand ist schließlich ein bedeutender Lebensabschnitt, bei dem eine gute Begleitung genauso wertvoll sein kann wie beim Einstieg ins Berufsleben.
Der Ruhestand beginnt nicht erst am letzten Arbeitstag
Drei Vorträge, drei unterschiedliche Perspektiven und eine gemeinsame Botschaft: Der Ruhestand ist nicht einfach das Ende des Berufslebens, sondern der Beginn einer neuen Lebensphase, die jeder Mensch auf seine eigene Weise gestalten kann.
Wer frühzeitig über Wünsche, Beziehungen, Aktivitäten und persönliche Bedürfnisse nachdenkt, kann diesem Übergang bewusster begegnen. Nicht alles muss geplant sein. Und nicht jeder Tag muss mit Aktivitäten gefüllt werden.
Für GERO ist diese Erkenntnis zugleich Bestätigung und Ansporn. Mit dem Projekt Pensionscoach begleitet GERO bereits seit mehreren Jahren Menschen bei der Vorbereitung auf den Ruhestand. Die Erfahrungen aus E-PAC fließen nun in die Weiterentwicklung dieser Angebote ein.
Vielleicht ist die wichtigste Frage also gar nicht, was wir im Ruhestand alles machen können. Sondern vielmehr: Wie möchte ich eigentlich leben, wenn meine Zeit wieder stärker mir selbst gehört?
Text mit Unterstützung von KI erstellt.
Gut vorbereitet in die Pension: Die GERO-Pensionscoaches
Die ehrenamtlichen Pensionscoaches von GERO unterstützen Menschen dabei, sich mit dem Übergang in die Pension auseinanderzusetzen. In Konferenzen, Workshops und persönlichen Gesprächen bieten sie Gelegenheit zum Austausch, zum Nachdenken und zum Entdecken neuer Perspektiven.